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Streit um verkaufsoffene Sonntage Sonntags zum Shoppen Den Stein ins Rollen brachten Ende Mai Kaufhof und Karstadt, aber auch weitere Warenhausbetreiber, die sich an der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ beteiligen. Armin Devender, Verkaufschef von Galeria Kaufhof und HBC Europe erläutert: „Die Initiative fordert eine generelle Freigabe der Sonntagsöffnung. Händler, Kunden und Mitarbeiter sollten ohne staatliche Bevormundung frei entscheiden können, 8 Ι boss Juli 2017 ob sie an Sonntagen öffnen, einkaufen oder arbeiten wollen. Diese Forderung gilt bundesweit und unabhängig von aktuell bestehenden Regelungen in Bundesländern und Kommunen. Wir verstehen sie als grundsätzliche Haltung, um bestehende Wettbewerbsverzerrungen abzubauen und die Attraktivität der Innenstädte zu steigern.“ Die Warenhausmanager kritisieren u. a., dass die Beschränkungen so streng ausgelegt werden, dass häufig nicht einmal die vom Gesetzgeber akzeptierte Mindestzahl von Sonntagsöffnungen erreicht wird. Sie fordern daher realistische und nachvollziehbare Kriterien für eine Genehmigung, die von allen Antragstellern rechtssicher verwendet werden können. Frust bei Handel und Verbänden Auch für Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Handelsverbands Büro und Schreibkultur (HBS), ist die jetzige Regelung inzwischen ein Desaster: „In Ballungsräumen wie Rhein/Main gelten die unterschiedlichsten Regeln von drei Bundesländern. Man weiß nicht, welcher Anlassbezug vor welchem Gericht Bestand hat, wo Verdi und die Kirchen als nächstes mit einstweiligen Verfügungen kurzfristig alle Planungen für Sonntagsöffnungen zunichte machen. Von alledem profitiert der Online-Handel, der sonntags die höchsten Umsätze erzielt. Das alles führt zu hoher Frustration im Handel und in den Handelsverbänden.“ Je größer die Stadt und je höher die Bedeutung der Innenstadt, desto wichtiger sind sonntägliche Öffnungsmöglichkeiten. Im Herbst würden viele Verbraucher z. B. gern in Ruhe in den Möbelhäusern und Küchenstudios einkaufen, in der Weihnachtszeit dann eher im City- Fachhandel. „Doch sonntags öffnen dürfen nur die Gartenmärkte, und die bauen ihre Weihnachtsangebote immer weiter aus“, kritisiert Grothkopp. „Daher sollte in einem bundesgesetzlichen Rahmen jede Region selbst entscheiden, wann Verbraucher und Händler verkaufsoffene Sonntage platzieren. Nur so können die interessierten Händler profitieren. Aber es wird immer auch Händler geben, für die eine Sonntagsöffnung mehr Kosten als Ertrag bringt und die sich naturgemäß nicht beteiligen.“ EINZElHaNDEl | Wann und wie oft darf der Einzelhandel sonntags seine läden öffnen? an dieser Frage erhitzen sich die Gemüter bei Handel, Gemeinden, Kirchen und Gewerkschaften. Während Verdi eine Klagewelle gegen deutsche Kommunen führt, macht sich der Handel für mehr Sonntagsöffnung stark: Mit ihrer Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ haben führende Warenhäuser die Diskussion weiter angefacht. auch die PBSladengeschäfte beschäftigt dieses thema. Bild: Edbockstock, Fotolia.com


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