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Anlass der Verkündung der neuen Adveo-Unternehmensstrategie war eine Investorenkonferenz Ende Mai, danach folgten erste Presseveröffentlichungen – und diese lassen kaum noch Interpretationsspielräume. Die rasant fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen der Arbeit, ein Rückgang des Papierverbrauchs im Büro sowie der damit verbundenen Produkte, der weitere Anstieg des E-Commerce und die Umorientierung des gewerblichen Verbrauchers bei der Beschaffung – das sind die Faktoren, die laut Adveo CEO Jaime Carbó zum Überdenken des bisherigen Geschäftsmodells geführt haben. Das Unternehmen sieht seine Rolle am Markt künftig als die einer „Plattform“, bei der Großhandel nur noch eine von mehreren Säulen sei. Carbó hat seit seinem Antritt bei Adveo im Jahr 26 Ι boss Juli 2017 2015 das Management umgebaut und er hat regionale Besonderheiten innerhalb der europaweiten Adveo-Organisation reduziert. Er hat, kurz gesagt, mehr Zentralisierung verordnet. Das neue Schlagwort, so hat es das englische Branchenmagazin OPI nach einem Gespräch mit Carbó geschrieben, laute „Zusammenarbeit (Collaboration)“. Es dürfe nicht sein, so Carbó, dass im Großhandel sofort von einem „Channel-Konflikt“ gesprochen werde, wenn dieser den direkten Weg zum gewerblichen Verbraucher suche, bei Herstellern oder Händlern die diesen Weg ebenfalls gehen, aber keine Interessenskonflikte thematisiert werden. Bürobedarfsmarkt bietet Chancen Jaime Carbó möchte aber nicht das bisherige Geschäftsmodell von Adveo auf den Kopf stellen, er will dieses in erster Linie erweitern. Er geht bei seinen Überlegungen auch davon aus, dass der Bürobedarfsmarkt allen daran Beteiligten genügend Raum bietet. Einen direkten Konflikt von Adveo mit seinen Händlern bei gewerblichen Kunden sieht er deshalb nicht, da man im Direktgeschäft andere Zielgruppen im Visier habe. Eine Argumentation, die so bzw. ähnlich auch Soennecken bei der Begründung zum Einstieg in das Direktgeschäft verwendet hat. Für Jaime Carbó steht neben dem Einstieg in den Direktvertrieb aber noch ein zweiter Punkt ganz vorne auf der Agenda: die Forcierung von Eigenmarken. Der Umsatzanteil in diesem Segment soll von derzeit rund 12 % auf bis zu 25 % Ende 2020 steigen. Sein erklärtes Ziel ist es, dass Adveo bis dahin rund 70 Mio. Euro seines Jahresumsatzes aus dem Direktgeschäft erzielt. 5-Star als Eigenmarke soll bestehen bleiben, weitere strategische Marken aber hinzukommen. Eine erste könnte laut OPI „Pergamy“ für papierbasierte Produkte sein. Für den Sortimentsbereich Catering hat man ebenfalls bereits eine Marke namens „MokaMore“ im Portfolio, die schon im italienischen Markt genutzt werde. Ob und wenn ja welche dieser weiteren Adveo-Marken ihren Weg auch nach Deutschland finden, ist derzeit allerdings noch völlig offen. El �� Neues Plattform-Konzept ADVEO | Schon im Spätherbst des vergangenen Jahres kamen erste Signale aus Spanien auch in Richtung des deutschen Marktes, dass der System-Großhändler Adveo sein Geschäftsmodell wohl verändern werde. Von Direktgeschäft war bereits damals die Rede – ohne dass dies allerdings konkreter wurde. Ende Mai war es nun aber soweit, erste Details der neuen strategischen Ausrichtung wurden öffentlich bestätigt. Fotos: Adveo


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