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boss 07-2117

?Herr Kilgus, anlässlich der Generalversammlung im Mai hatten die Egropa-Verantwortlichen die Mitglieder auch zur Strategietagung eingeladen. Welche Themen wurden besprochen? Kilgus: Wir befassten uns im Kern mit fünf Themen, beispielsweise der Frage, wie man neue Mitglieder finden kann oder auch der Thematik einer engeren Zusammenarbeit in der Beschaffung. Ein zentrales Thema war auch der Abrechnungsmodus unseres Delkrederesystems 24 Ι boss Juli 2017 sowie die Rückvergütung. Seit vielen Jahrzehnten haben wir ein sehr komplexes Rückvergütungssystem. Nichtsdestotrotz verändern sich Prozesse und gerade in einer Genossenschaft muss man immer wieder prüfen, ob das System noch praktikabel und vor allem gerecht ist. Besonders kleinere Unternehmen gilt es zu fördern und zu unterstützen. Der Preiskampf in unserer Branche ist hart und zum Teil unfair. Wir müssen uns gerade deshalb für Umsatzschwächere engagieren. Von den Herstellern würde ich mir dafür mehr Verständnis wünschen. Dem Fachhandelssterben können wir nur gemeinsam gegenüber treten, indem wir diesen kleineren Händlern ebenfalls die Chance geben, gut einzukaufen. Genau hier wollen wir ansetzen. Die Starken innerhalb der Egropa helfen den Schwächeren, oder anders gesagt: Da wo das eine Mitglied Einkaufsvorteile hat, lässt es die anderen Mitglieder daran teilhaben – und zwar unbürokratisch. ?Sie haben das Thema Mitgliederentwicklung gerade angesprochen. Die neuen Egropa- Mitglieder kommen aus ganz anderen Bereichen als PBS. Wie passt das zur Ausrichtung der Egropa? Kilgus: In der Egropa waren schon immer unterschiedliche Unternehmen der Bereiche PBS, Verpackung und Glückwunschkartenspezialisten vereint. Der Bereich Hygiene ist ebenfalls ein Thema, nicht nur im Office- Geschäft, auch in Kindergärten und Schulen. Jetzt haben wir zwei neue Mitglieder mit den Kernbereichen Hygiene in Hotel- und Gaststättenbetrieben sowie Behörden und Arztpraxen. Vollsortimenter sind eigentlich alte Zöpfe. Der Arztpraxenkatalog unseres neuen Mitglieds Klitra aus Reutlingen hat über 360 Seiten, davon 35 mit PBS. Neben Spritzen und Blutdruckmessgeräten also auch Ordner, Papier und Schreibgeräte. Sehr gerne hätte ich auch die Bereiche Floristik und Sekt, Wein, Spirituosen abgedeckt, denn für Wein als Geschenk braucht es Geschenkverpackungen ebenso wie Glückwunschkarten und Bänder. Hier würde sich dann der Kreis zum Kernbereich PBS schließen. ?Mitgliederzahl und Abrechnungsvolumen sind das Eine, das Andere ist die Relevanz von Egropa bei den Lieferanten. Sehen Sie da keine Gefahr der Erosion im Kernsegment PBS? Kilgus: Nein, eine grundsätzliche Gefahr kann ich nicht erkennen. Nach wie vor ist das PBS-Sortiment der Kern unseres Tagesgeschäfts. Aber es ist nicht das Einzige. Multichannel war einmal ein Modewort, aber ich würde die Bedeutung eher darauf legen, ergänzende Segmente zu finden. Wir müssen uns in einer zunehmend digitalen Welt breiter aufstellen. Jährlich kommen bei uns zwischen fünf und zehn PBS-Lieferanten dazu, wenn auch die Wenigsten davon mit innovativen Produkten. Doch das ist auch nicht entscheidend, solange Angebot und Nachfrage, Preis und Leistung stimmen. Keine Gefahr zu sehen EGROPA | Der PBS-Großhandel befindet sich in einer Zwitterposition – einerseits unabdingbar wichtig für die Marktversorgung, andererseits stark unter Druck, da die Händlerbasis schwindet. Für die Egropa eG kommt noch hinzu, dass die Mitgliederbasis in der jüngsten Vergangenheit bröckelte. Doch inzwischen gewinnt man wieder Großhändler hinzu und stellt sich, wie es Vorstand Manfred Kilgus im boss-Gespräch ausdrückt, in der zunehmend digitalen Welt breiter auf. Manfred Kilgus ist Geschäftsführer und Vorstand der Großhandelskooperation Egropa eG. „Dem Fachhandelssterben können wir nur gemeinsam gegenüber treten, indem wir diesen kleineren Händlern ebenfalls die Chance geben gut einzukaufen.“


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