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boss 07-2117

boss Juli 2017 Ι 13 ten Erfolgen brauchen wir als Unternehmen andere Arbeitszeitregelungen, insbesondere mehr Flexibilität in den Zeitmodellen und eine Lösung für den Bereich der übertariflichen Regelungen. Dies alles limitiert uns derzeit – insbesondere im Einzelhandel. ?Sie sind ein bekennender Befürworter des Einzelhandels und haben von anbeginn an gesagt, dass Sie den Einzelhandel bei Kaut- Bullinger nicht aufgeben wollen. Gilt das nach wie vor? Brech: Der Einzelhandel ist mir ein persönliches Herzensanliegen, dazu stehe ich. Aber das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich dem Einzelhandel einen Freibrief ausstelle. Ich habe mit allen hier in der Verantwortung Stehenden ausführlich gesprochen und wir haben gemeinschaftlich eine Frist bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 31. März 2018 definiert, zu der der Einzelhandel die einvernehmlich festgelegten Planzahlen erreicht haben muss. Schließungen, nur um Ihrer nächsten Frage zuvor zu kommen, waren und sind für mich, gemessen an den Konsequenzen, eine Ultima-ratio-Lösung. ?lassen Sie mich nun als nächstes auf den größten Bereich bei Kaut-Bullinger, den Bürobedarf, zu sprechen kommen. Wie läuft das Geschäft? Brech: Die Branche ist keine Wachstumsbranche, das habe ich von Anfang an gesagt, und an dieser Aussage habe ich nichts zurück zu nehmen. Dennoch läuten wir natürlich nicht das „Totenglöcklein“. Wir haben kürzlich BMW als neuen Kunden listen können, wir haben ganz aktuell Euler Hermes als Großkunden gewonnen – und so wird es weiter gehen. Das ist kein einfaches Geschäft, es sind auch immer Zugeständnisse bei der Marge erforderlich, aber wir setzen damit auch Ausrufezeichen in Richtung unserer Lieferanten. Das ist mindestens genauso wichtig und nicht zu vergessen, der Bürobedarf war, ist und bleibt eine gewinnbringende Konstante. ?…und hilft dennoch nur, wenn Sie am Ende kein Geld mitbringen müssen. Brech: Das ist selbstredend. Selbst wenn wir nur Geld wechseln würden, wäre das zu wenig. Der Bürobedarfsbereich ist für unser Haus ein starker Anker, der aber das Schiff nicht dauerhaft alleine halten kann. Deshalb die eindeutige Frist beim Einzelhandel, deshalb aber auch das dritte Standbein Büro-Systemhaus. Ein Bereich, der uns im Augenblick richtig viel Freude macht. Mit dem 3D-Druck haben wir ein tolles Wachstumsfeld. Zwei Systeme haben wir bereits verkauft, das war eigentlich unser Plan, bei zwei weiteren Systemen sind wir in fortgeschrittenen Gesprächen. Deshalb planen wir diesen Bereich für das laufende Geschäftsjahr auch mit einem leichten Plus. ?Wie sieht Ihre Gesamtplanung für 2017/2018 für alle drei Geschäftsbereiche aus? Brech: Die ersten drei Monate des Jahres waren nicht wirklich von überbordender Euphorie getragen, der April – also der erste Monat unseres Geschäftsjahres – war leider sogar richtig schlecht. Das hat die Laune nicht gerade gehoben. Aber wir haben ja noch elf Monate vor uns. Dennoch, und das war Ihre Frage, gehen wir beim Umsatz von einer Seitwärtsbewegung aus. Alles weitere wären unerwartet positive Überraschungen, an denen wir aber jeden Tag arbeiten. ?Welche Pfeile haben Sie dafür im Köcher, denn auf das Prinzip Hoffnung allein werden Sie wohl kaum setzen? Brech: Das wäre in der Tat zu riskant und entspricht auch nicht meinem Stil. Aber ich will Ihnen ein kleines Beispiel dafür nennen, wo wir Potenzial für uns sehen: Wir haben kürzlich mit einer Agentur einen Vertrag geschlossen, die ihrerseits rund 300 Reiseleiter für asiatische Reisegruppen unter sich haben. Gleichzeitig haben wir im Einzelhandel zwei Mitarbeiterinnen eingestellt, die chinesisch sprechen und die asiatischen Kunden sowohl bei der Ware als auch bei der Abwicklung von Tax-free-Einkäufen beraten können. Davon versprechen wir uns eine ganze Menge. Vielen Dank für das Gespräch. El �� Der bisherige onlineshop, der ein Soennecken-Shop ist, kann nur noch bis Jahresende 2017 laufen und wird deshalb zeitnah abgelöst. Sanierung erfordert weitere Schritte Für Kaut-Bullinger-Geschäftsführer robert Brech ist die Sanierung des unternehmens noch längst nicht abgeschlossen. und in einer solchen Situation, die auch harte Schnitte erforderlich machen wird, ist es aus seinem Verständnis heraus wichtig, dass „sich Gesellschafter in erster linie auf ihre Gesellschafterrolle konzentrieren“. Dies sei einzig der Grund, warum die beiden Gesellschafterinnen Cornelia Schambeck und ursula adhikari seit anfang Mai nicht mehr operativ im unternehmen tätig seien. „Manchmal ist es gut, wenn Gesellschafter eine größere Distanz zum tagesgeschäft wahren können, wenn man auch unpopuläre Maßnahmen durchziehen muss“, so robert Brech. Doch ein Punkt ist ihm ganz besonders wichtig: alle Personalmaßnahmen, so welche notwendig werden, müssen spätestens Ende 2017 abgeschlossen sein, „sonst bekommen wir keine ruhe ins unternehmen.“


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