Page 12

boss 07-2117

Holding-Geschäftsführer robert Brech hat eine klare Vorstellung davon, wie Kaut-Bullinger für die Zukunft neu aufgestellt werden soll. 12 Ι boss Juli 2017 Bullinger, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst einmal leisten. ?Was meinen Sie konkret mit Einmaleffekten beim Kosten abbau? Haben Sie da in erster linie die Personalkosten im Blick? Brech: Nein, das war und ist nicht meine erste Intention. Es gab ganz andere Baustellen, die wir erfolgreich schließen konnten. Nehmen Sie als Beispiel die Vielzahl von Beraterverträgen, die ich vorgefunden habe. So etwas kann ein mittelständisches Unternehmen, wie wir es sind, ganz schnell an den Rand der Belastbarkeit führen. Es gab auch eine Reihe von Aufgaben, die an Dienstleister outgesourct waren, obwohl wir die Kompetenz dafür im Unternehmen hatten. Gleichzeitig leisteten wir uns den Luxus vieler Doppelaufgaben aufgrund der drei unternehmerischen Standbeine Einzelhandel, Bürobedarf und Büro-Systemhaus. Das kann man natürlich tun, sinnvoll ist es in der Regel aber nicht. ?Die Straffung von aufgaben, die Zusammenführung von Funktionen führt am Ende des tages aber auch zu Personalabbau, oder? Brech: Da kann ich mich nur wiederholen, das ist nicht meine vordringlichste Beschäftigung. Ich bin im August vergangenen Jahres mit einem 10- Punkte-Plan hier in München angetreten – und den arbeite ich gemeinsam mit meinem Team ab. Der Punkt Personal ist dabei nur einer von zehn. Viel wichtiger waren und sind Punkte wie die interne Organisation – Stichwort Doppelfunktionen – das Thema Logistik, mehr Effizienz beim Einkauf, beim Controlling und im Marketing. Hier haben wir Schlüsselpositionen teilweise neu besetzt. Aber wir hatten auch ganz andere Herausforderungen, beispielsweise die Ablösung unseres bisherigen Onlineshops So- Procure, der ein Soennecken-Shop ist und den wir nur noch bis Jahresende 2017 laufen lassen dürfen. Oder die Konsolidierung auf der Einkaufsseite, wo wir einfach zu viele Lieferanten hatten. ?Bleiben wir kurz beim onlineshop. Sie haben den Stichtag Ende 2017 eben selbst genannt. Haben Sie bis dahin einen neuen Shop am Start? Brech: Ja, andernfalls hätte ich meine Hausaufgaben nicht richtig gemacht. Anfang August, also noch deutlich vor der gesetzten Zeit, werden wir voraussichtlich mit unserem neuen Shop online gehen. Das war und ist ein Kraftakt, nicht nur vom Investment her, sondern auch von der personellen Belastung hier im Haus. Unsere Mitarbeiter, das muss ich an dieser Stelle sagen, haben hier fantastisch mitgezogen. Parallel arbeiten wir auch noch an einer neuen Warenwirtschaft, die wir bis Mitte des kommenden Jahres an den Start bringen wollen. Am Ende des Prozesses werden wir eine komplett neue Systemlandschaft einführen – ein aus meiner Sicht längst überfälliger Schritt. Aber, und das ist die eigentliche Leistung, man muss sich das alles auch finanziell leisten können. ?also alles gut – oder wo drückt Sie beim Blick auf das tagesgeschäft noch der Schuh? Brech: Da gibt es schon noch den einen oder anderen Punkt, das will ich nicht verschweigen. So werden wir in Kürze mit den Gewerkschaften in die Verhandlungen über einen Sanierungs-Tarifvertrag einsteigen. Bei allen bislang erziel- Kaut-Bullinger hat klar formulierte Ziele bis Jahresende Kein Freibrief Kaut-BullINGEr | Direkt nach der Paperworld haben wir in boss unter der Überschrift „Gemeinsam schon viel erreicht“ den Status Quo des Münchner Handelshauses beschrieben. Damals waren die Phasen a und B der Sanierung abgeschlossen und die themen Neuaufstellung bzw. Konsolidierung des Geschäftsmodells standen auf dem Plan. Höchste Zeit also, bei Geschäftsführer robert Brech erneut nach dem Stand der Dinge zu fragen. ?Wie würden Sie folgenden Satz weiter führen: Im Vergleich zum august des vergangenen Jahres, als ich zu Kaut-Bullinger kam… Brech: …haben wir es geschafft, das Unternehmen zu stabilisieren, die Liquidität wieder dauerhaft zu sichern und gleichzeitig ganz erhebliche Kostenblöcke abzubauen. Dies waren und sind nicht immer Maßnahmen, die auf den ersten Blick erkennbar sind und die – dazu stehe ich auch – teilweise aus Einmaleffekten kommen. Aber auch das muss ein Unternehmen wie Kaut-


boss 07-2117
To see the actual publication please follow the link above