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Zwei Wochen nach dem Ende der diesjährigen Paperworld, an der der Hattersheimer Glückwunschkartenanbieter Albert Horn Söhne allerdings nicht teilgenommen hatte, hat das Unternehmen am 14. Februar beim Amtsgericht Wiesbaden einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt – allerdings 40 Ι boss April 2017 in der „Premiumvariante“ des sog. Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung. Ein solches Schutzschirmverfahren stellt nach der Definition und Lesart der Insolvenzordnung eine Kombination aus dem klassischen Vollstreckungsstopp des vorläufigen Insolvenzverfahrens und der Insolvenz in Eigenverwaltung dar – und wird für höchstens drei Monate vom Amtsgericht bewilligt. In dieser Zeit soll es dem Management mit Unterstützung externer Spezialisten ermöglicht werden, einen tragfähigen Insolvenzplan auszuarbeiten. Rechtlich und bei der Vorbereitung des Plans wird Horn durch Jan Groß von der Kanzlei Ebner Stolz beraten. Das Team von Ebner Stolz begleitet zudem die operative Sanierung gemeinsam mit Tillmann Peeters von der Kanzlei Falkensteg, der als CRO (Chief Risk Officer) in die Geschäftsführung eingerückt ist. Als Sachwalter wurde Dr. Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner bestellt, der über große Erfahrung in Schutzschirmund Eigenverwaltungsverfahren verfügt. Geschäftsbetrieb läuft weiter Ziel des Schutzschirmverfahrens ist es, eine bereits begonnene Sanierung konsequent weiterführen zu können. Die Horn-Geschäftsführung hatte vor einem Jahr in einer Betriebsversammlung die Schließung der Produktion angekündigt und in diesem Zusammenhang auch die Kündigung von rund 80 Mitarbeitern ausgesprochen. Allerdings gelang es nicht in allen Fällen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, sodass sich einzelne Verfahren teils bis heute hingezogen haben – und das Unternehmen kostenmäßig belasten. Dies, aber auch der Verlust eines größeren Kunden aus dem LEH-Bereich hat dazu geführt, dass es bei der Restrukturierung zu Planabweichungen kam. Der hohe Margenund Wettbewerbsdruck im hart umkämpften und tendenziell rückläufigen Markt mit Glückwunschkarten hat das Unternehmen letztlich in die Liquiditätskrise geführt. „Unser Ziel ist die Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze in der Region“, so Geschäftsführer Tobias Schmitt, der weiterhin im Amt ist. Und Sanierungsgeschäftsführer Tillmann Peeters: „Wir werden den eingeschla - genen Weg der Restrukturierung kon - sequent weiterverfolgen und die Möglichkeiten des Schutzschirmes nutzen.“ Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter, für die Kunden ändert sich daher nichts. „Horn hat jetzt drei Monate Zeit, einen Sanierungsplan auszuarbeiten und den Gläubigern vorzulegen, danach weitere drei bis fünf Monate für die Umsetzung“, so Tobias Schmitt im Gespräch mit boss. Verläuft alles planmäßig, wird man spätestens im letzten Quartal 2017 ohne Altlasten in die Zukunft durchstarten können. El �� Sanierung unterm Schutzschirm ALBERT HORN SöHNE | Gut ein Jahr ist es inzwischen her, dass erste Informationen über wirtschaftliche Probleme des Hattersheimer Glückwunschkartenherstellers die Runde machten. Ein Jahr, in dem die Horn-Verantwortlichen eine ganze Menge erreicht haben – und dennoch hat es am Ende nicht ganz gereicht. Mitte Februar waren der Gang zum Amtsgericht Wiesbaden und ein Insolvenzantrag unumgänglich geworden. Was war passiert? Die Produktion am Stammsitz Hattersheim ist seit vergangenem Jahr geschlossen. Horn-Geschäftsführer Tobias Schmitt: „Unser Ziel ist die Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze.“


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