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boss 03-2017

?Frau Ennemoser, die Suche nach Mitarbeitern ist für viele Unternehmen zu einem echten Problem geworden. Wie stellt sich der Arbeitsmarkt heute dar? Ennemoser: Der Bewerbermarkt hat sich stark verändert. Vor zwanzig oder sogar noch vor zehn Jahren mussten sich die Bewerber gegen eine Vielzahl von Kandidaten durchsetzen, mussten „kämpfen“, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Heute hat sich das Bild in vielen Bereichen um fast 180 Grad gedreht. Das Schlagwort des „war for talents“ ist zwar abgegriffen, beschreibt die Situation aber nicht schlecht: Die Unternehmen müssen um die Besten kämpfen. Mittlerweile ist die Situation sogar noch einen Schritt voran geschritten: In vielen Branchen ist der Bewerbermarkt leer und die Arbeitgeber müssen sich für potenzielle Bewerber erst einmal interessant machen bzw. neugierig machen. ?Welches sind geeignete Kanäle, um Mitarbeiter bzw. Auszubildende im Handel zu finden? Ennemoser: Darauf gibt es aus unserer Sicht keine einheitliche Antwort mehr. Unternehmen müssen Interesse wecken. Wie, das hängt vom Unternehmen und der zu besetzenden Position ab. So wird für die Suche nach einem Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungswesen der Weg über eine Anzeige kaum Sinn machen, da es sehr wenig geeignete Bewerber gibt. Oftmals ist hier eine Direktansprache von guten Kandidaten der bessere und schnellere Weg. Für eine Verkaufsposition auf der Fläche wird eine möglichst breite Personengruppe angesprochen, d. h. hier ist die Schaltung einer Anzeige in einem Tagblatt der Gegend oder einem Stadtanzeiger oft sehr erfolgversprechend, wenn sie richtig gestaltet ist. Auch Plakate oder Aushänge sind hilfreich. Eines der besten Medien ist sicher die Werbung durch die eigene Belegschaft, d. h. das Empfehlungsmanagement der Mitarbeiter untereinander. ?Worauf sollten Unternehmer bei einer Stellenausschreibung besonders achten? Ennemoser: Jedes Unternehmen sollte sich genau überlegen, welche Menschen es braucht und möchte. Sicher müssen wir auch in der Anspruchshaltung flexibler werden. Waren früher Vollzeitkräfte die beste Lösung, sind zur Abdeckung der Öffnungszeiten heute Teilzeitkräfte nicht wegzudenken. Die Arbeitszeiten im Handel sind zwar für manche Ausschreibungen von Nachteil, können aber z. B. bei studentischen Hilfskräften eine große Hilfe sein. Diese Personengruppe wird gerne nach den Vorlesungen und am Wochenende aktiv. Es ist also notwendig, mehr Zeit in die Überlegung zu investieren, wen ich ansprechen möchte. Dann kann die Ausschreibung im richtigen Medium erfolgen. ?Was können Arbeitgeber tun, um für Bewerber attraktiv zu werden? Ennemoser: Wichtig ist, dass ein potenzieller Bewerber die Vorteile der Position bzw. des Arbeitgebers erkennen kann. Welche das sind, muss sich jedes Unternehmen im Vorfeld überlegen und diese gegebenenfalls auch schaffen. Als hilfreich haben sich z. B. Details wie Gehaltsextras erwiesen; die Zahlung von Fahrtkostenzuschüssen sind oft ein Anreiz, da diese unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben netto zugewendet werden können. Hier gibt es eine große Zahl an weiteren Optionen bis hin zum Reinigungsservice. Solche Details zeigen, dass das Unternehmen sich Gedanken macht, wie bei den oft geringen Stundensätzen andere Anreize geschaffen werden können und vor allem Entlastung für den Arbeitnehmer denkbar ist. cs �� Interesse beim Bewerber wecken EXPERTENTIPP | Bei der Mitarbeitersuche reicht es nicht mehr aus, nur einen Kanal zu bespielen. So unterschiedlich die Zielgruppen, so individuell müssen sie auch angesprochen werden. boss sprach mit Birgit Ennemoser von Auren Personalservice. Birgit Ennemoser ist Geschäftsführerin von Auren Personal Services. Zu ihren Fachgebieten zählen unter anderem die Personalgewinnung und -bindung sowie innovative Lohnkonzepte und Nettolohnoptimierung. Der Ratgeber Gehaltsextras von Birgit Ennemoser stellt dar, wie Mitarbeiter z. B. durch steuerfreie Leistungen an das Unternehmen gebunden werden können. www.birgitennemoser.de


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