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boss 03-2017

Im Zeitalter des Online-Shoppings drängt sich die Frage auf, in welcher Form der lokale Facheinzelhandel zukunftsfähig ist. Dabei geht es unter anderem darum, welche Aufgaben er erfüllen soll und für welche Leistungen der Kunde bereit ist, zu bezahlen. Sechs Teams aus Studierenden des Studiengangs BWL Handel qualifizierten sich bei einer internen Vorauswahl dafür, erfolgsversprechende Konzepte für den 30 Ι boss März 2017 lokalen Facheinzelhandel sowie Beispiele für deren Übertragbarkeit einem Fachpublikum zu präsentieren. Die Jury, bestehend aus Ilona Schönle, Geschäftsführerin des Auftraggebers Buy Local, sowie Vertreter dessen Partner C. H. Beck Verlag, IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg, Faber Castell und Soennecken, zeigte sich begeistert und belohnte die beiden besten Teams mit Geldpreisen. Kaufen und schlemmen Zu den prämierten Ideen gehört beispielsweise ein Store-in-Store Konzept bei der Kölner Papeterie „Nebenan“: Das Fachgeschäft bietet nicht nur hochwertige Papeterie, Dekorations- und Geschenkartikel an, sondern auch eine in den Laden integrierte Crèperie. Da das Sortiment des Geschäfts vorwiegend Frauen anspricht, erfreut sich der Stand vor allem bei männlichen Einkaufsbegleitungen großer Beliebtheit und sorgt bei Kindern für Begeisterung. Ein gutes Geschmackserlebnis erweckt Emotionen, welche die Kaufentscheidung und das Einkaufserlebnis positiv beeinflussen können. Inhaberin Dorothee Junck betreibt in Köln-Nippes eine Buchhandlung und mietete nebenan ein frei werdendes Geschäftslokal – ursprünglich nur für die Weihnachtszeit. Doch der schöne Geschenkeladen hat sich etabliert: Zum Besuch im Buchladen gehört ein Abstecher nach „Nebenan“ – und umgekehrt. Mit ausgefallenen Papeterieartikeln, einem großen Postkarten-Sortiment, geschmackvollen Accessoires und einem ganzjährigen Kalenderangebot wird hier das Buchsortiment ergänzt. „Kochen“ und „Köln“, „Handarbeiten“, „Hochzeit“, „Geburtstag“ und „Glück“ sind Themen, die sowohl in Buchform als auch als Geschenkartikel zu finden sind. Auch am Abend ist die Papeterie oft ein beliebter Ort in Nippes: Immer wieder finden dort Veranstaltungen und Lesungen statt. Um bei den Kunden das Bewusstsein für lokales Einkaufen zu wecken, hat sich Dorothee Junck der Initiative „Buy local“ angeschlossen. Sie steckt viel Zeit und Energie in diese Kampagne und ist sehr kreativ darin, ihren Buchladen als lebendigen Teil des Viertels zu etablieren. Kunden, die Bücher online bestellen, können sie am nächsten Tag nicht nur im Laden abholen, sondern an fünf unterschiedlichen Abholstellen im Stadtteil – von Rewe übers Büdchen bis zur Kneipe. „Diese Vernetzung kommt gut an“, freut sich die Buchhändlerin, „das ist gelebte Nachbarschaft.“ Viele spannende Ideen Weitere interessante Ansätze, die von den „Cool Hunter“ aufgespürt wurden, waren z. B. ein Ladengeschäft, das fertig zusammengestellte Tüten mit Kochrezept für eine komplette Mahlzeit als „Rundum-Paket“ anbietet. Ein anderes Geschäft setzt eine Schuhkamera ein, mit welcher die Ladenbesucher ihr Einkaufserlebnis direkt mit der Social Media Community teilen können. Ein anderes Geschäft setzt bei der Buchbestellung auf WhatsApp: Nach Eingang der bestellten Artikel wird der Kunde per WhatsApp informiert, dass die Ware nun in der Filiale, unter Angabe der Handynummer, abgeholt werden kann. cs�� Auf der Jagd nach coolen Konzepten BUY LOCAL | 26 Studierende der Dualen Hochschule Baden- Württemberg waren Ende 2016 für die Initiative „Buy local – Erlebe Deine Stadt“ in deutschen Mittelstädten unterwegs. Als „Cool Hunter“ spürten sie Trends und Ideen im Einzelhandel auf. Buy Local ist eine Regionalinitiative: Um das Gütesiegel zu erhalten, müssen die Betriebe bestimmte Kriterien erfüllen. Die kundenorientierte Zertifizierung wird in regelmäßigen Abständen überprüft, so auch im Rahmen des Projekts „Cool Hunter“.


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