Editorial

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Editorial MEHR IM INTERNET Digital Imaging 1-2018 | 3 JANUAR 2018 UNBEHELLIGTE CHINESEN Es ist ein Urteil, das noch lange nachhallen wird: Am 24. Oktober hat der BGH die Patentrechtsklagen von Canon gegen WTA und KMP in letzter Instanz abgewiesen. Grund genug, die beiden Protagonisten dieses für die Reman-Industrie ‚kriegsentscheidenden‘ Prozesses zum Interview zu bitten. Für Carsten Weser (WTA) ist das Urteil „ein Erfolg für die ganze Branche“, weil Canon mit dem Verfahren „die gesamte Reman-Industrie für mehrere Jahre stark beeinträchtigt hat“ (ab Seite 18). Dennoch werde man nicht mit denselben Waffen zurückschießen. Das würde dem Naturell des bescheidenen Thüringers widersprechen – und es wäre höchst unklug. Weser weiß nur zu genau, dass Goliath auch nach dieser Niederlage immer noch drei Köpfe größer ist als die beiden siegreichen Davids... Jan-Michael Sieg (KMP) stellt im DI-Interview (ab Seite 12) die entscheidende Frage, die die Branche schon seit Jahren umtreibt: „Warum unternehmen die OEMs so wenig gegen die asiatischen Klone, die ihnen doch längst weit größeren Schaden zufügen als die seriösen Remanufacturer...?“ Es ist in der Tat grotesk, dass sich Canon in den letzten Jahren derart gegen die Recycler eingeschossen hat, während die chinesischen Klonprofi s weitgehend unbehelligt blieben. TEURE NACHHILFE Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für Canon, HP & Co., die Marktzahlen nochmal in Ruhe zu studieren. Dann würden sie feststellen, dass Newbuilts in vielen Märkten längst Richtung 50 % Marktanteil gehen, während die Anteile der Reman-Produkte selten über 10 % liegen. Empfehlenswert wäre auch die Lektüre der freiwilligen Selbstverpfl ichtung, die man 2011 unterschrieben hat: Darin geloben die OEMs unter Punkt 5.4, dass ihre Tinten und Toner grundsätzlich recyclingfähig sind und die Nutzung von Nicht-OEM-Kartuschen nicht verhindert wird. Die Praxis sieht freilich ganz anders aus. Schließlich sollte durch das jetzt vom BGH gekippte ‚Dongle Gear‘-Patent eben dieses Recycling verhindert oder zumindest extrem erschwert werden. Nicht von ungefähr nehmen die Karlsruher Richter gleich im ersten Satz ihrer Urteilsbegründung Bezug auf die Selbstverpfl ichtung der OEMs. Diesen ausgesprochen teuren und imageschädigenden Nachhilfeunterricht hätte man sich in Tokio sparen können. Natürlich ist es absolut legitim, dass die Druckerhersteller ihre Cash-Cow – die Toner und Tinten – schützen und darüber solide Gewinne einfahren wollen. Nicht legitim ist es jedoch, das Gegenteil dessen zu tun, wozu man sich verpfl ichtet hat und Patente zu missbrauchen, um Wettbewerb systematisch auszuschließen. WEITERE SERVICES Themenwechsel. Auf der Europa-Foto- Messe in Bad Homburg zogen Robby Kreft und Andreas Manthey eine erste Zwischen- Bilanz für das abgelaufene Jubiläumsjahr – und die kann sich sehen lassen. Dass die nächste Herbstmesse gemeinsam mit Ringfoto veranstaltet wird, stieß auch bei den Europa-Foto-Mitgliedern auf sehr positive Resonanz. Mit Drop-Shipment und einem neuen Suchportal für Fotokurse haben die Eschborner nach der Kommissionsware zudem zwei weitere interessante Services für ihre Mitglieder neu geschaffen. Diese sind es wert, auf Umsetzung im Geschäft vor Ort wohlwollend geprüft zu werden. Mehr dazu ab Seite 62. DR. HUBERT ORTNER „Natürlich ist es absolut legitim, dass die Druckerhersteller ihre Cash-Cow – die Toner und Tinten – schützen und darüber solide Gewinne einfahren wollen. Nicht legitim ist es jedoch, das Gegenteil dessen zu tun, wozu man sich verspfl ichtet hat und Patente zu missbrauchen, um Wettbewerb systematisch auszuschließen.“ Die freiwillige Selbsterklärung der Druckerhersteller fi nden Sie hier zum Download: https://tinyurl.com/yc9a8ksg


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