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DigitalImaging_012018

Digital Imaging 1-2018 | 23 echten Paradigmenwechsel bei den Drucktechno- logien und Vermarktungskonzepten erleben werden. DI Wie soll dieser Paradigmenwechsel aussehen? ALFRED WIRCH Bisher machten Bereitstellungs- und Wartungskosten den überwiegenden Anteil der Kosten pro gedruckter Seite aus. Namhafte OEMs wie HP, Epson oder Canon haben jedoch eine neue Generation von Inkjet-Printern vorgestellt (bzw. angekündigt), die das bisherige Vermarktungsmodell radikal in Frage stellen. Ich bin überzeugt: Tintenstrahldrucker mit neuen, leistungsstarken Druckköpfen und großen Tintentanks werden bereits in Kürze die gleichermaßen störungsanfälligen wie energieintensiven Laserdrucker (und -Kopierer) ersetzen. Alleine aufgrund ihres vergleichsweise einfachen mechanischen Aufbaus sind Inkjet-Drucker viel ausfallsicherer – und das Geschäft mit teuren Wartungsverträgen wird überflüssig. DI Was im Fachhandel naturgemäß wenig Begeisterung auslösen dürfte… ALFRED WIRCH Unternehmen profitieren von sinkenden Druckkosten bei gleichbleibender, wenn nicht besserer Druckqualität. Insgesamt ist zu erwarten, dass sich der derzeitige Preis pro Ausdruck von 4–5 Cent auf 2–3 Cent reduzieren lässt. Ein zusätzlicher Vorteil ist die geringere Abhängigkeit von den Herstellern und mit Blick auf den Kauf der Verbrauchsmaterialien mehr Freiraum bei der Wahl der Lieferanten. Leidtragende dieser Revolution sind die Kopiererhersteller und Fachhändler, deren Geschäftsmodell bisher auf dem Betrieb und der lukrativen Wartung von Kopierern beruhte. DI Erwarten Sie einen vergleichbaren Paradigmenwechsel auch im industriellen Druck? ALFRED WIRCH Viele Dinge des täglichen Lebens wie Tapeten, Keramik, Kleidung oder Bücher werden aktuell mit sehr aufwändigen Methoden und oft hochspeziellen Maschinen eingefärbt oder bedruckt. Auch hier werden digitale Inkjet-Technologien in absehbarer Zeit eine dominierende Rolle einnehmen. Auf der weltgrößten Druck-Fachmesse, der Drupa, war dieser Technologiewechsel bereits sichtbar. „Bei etwa 500 Millionen Druckerpatronen, die jährlich in Europa verbraucht werden, und einem durchschnittlichen Originalpreis von 20 Euro können die Anwender bei einem (fiktiven) Komplettumstieg auf halb so teure Alternativprodukte nicht weniger als 5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen.“ So sind 60–70 Prozent der dort neu vorgestellten Maschinen mit Tintentechnologien ausgestattet. DI Das klingt gerade so, als wenn die Zukunft laserbasierter Drucker und Kopierer ähnlich düster und schwarz aussehen würde wie das Tonerpulver, das sie auf Papier brennen… ALFRED WIRCH Ja, absolut. Tinte ist ein idealer Grundstoff. Sie nehmen 99 Prozent Wasser und ein wenig Farbstoff, mixen das Ganze, und über eine relativ einfache Düsentechnologie ohne aufwändige Mechanik können sie dann Informationen in Form von Texten oder Bildern auf fast beliebige Medien übertragen. Um auf ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Der Druck mit Tinte ist kein Auslaufmodell, sondern eine Zukunftstechnologie. DI Welche Auswirkungen wird der von Ihnen prognostizierte Technologiewandel auf die Anbieter von Alternativpatronen haben? ALFRED WIRCH Im Drucker- und Kopierermarkt wird künftig der Dienstleistungsanteil, sprich das Aufbereiten und Wiederbefüllen von Tintenpatronen, an Bedeutung gewinnen. Unterstützt wird diese Entwicklung durch gesetzliche Vorgaben zum Umweltschutz. So sieht das Elektroschrottgesetz vor, dass Hersteller und Handel leere Tintenpatronen kontrolliert entsorgen müssen. All dies wird für neue Impulse im Markt für Alternativpatronen sorgen. DI Wie kann der Handel von dieser Renaissance der Tinte profitieren? ALFRED WIRCH Da kann ich nur für 3T Supplies sprechen: Aktuell arbeiten wir mit Partnern wie der Adveo-Händlergruppe daran, Konzepte für die direkte Rücknahme und Wiederbefüllung leer gedruckter  3T Supplies verfügt über ein eigenes Refill-Center in Tschechien, wo bis zu 10 Mio. Inkjet- Patronen pro Jahr mit modernster Technik wiederaufbereitet werden.


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