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 Was zählen Prinzipien und Werte, wenn das große Geld lockt? Bei Bill und Michael Swartz offensichtlich nicht viel. (© Fotolia/Mark Huls) Digital Imaging 1-2018 | 17 Control ohnehin schon eng mit dem chinesischen Konzern verbunden. Das sei insofern gefährlich für die Branche, weil Apex – ebenfalls Teil des Ninestar-Imperiums – jetzt schon rund 80 % des weltweiten Chip- Marktes für Imaging-Supplies kontrolliert. „Wenn sich die Hochsicherheits-Chips von Verisiti tatsächlich durchsetzen sollten“, so Kappius´ Befürchtung, „dann könnte das im schlimmsten Fall dazu führen, dass man Mikrochips für Alternativ-Kartuschen irgendwann nur noch bei Apex kaufen kann“. Keine schönen Aussichten… DER RUF DES GELDES Die Entwicklung im Imaging-Supplies- Markt zeigt eines unmissverständlich auf: Wenn sich in globalen Märkten monopolistische Strukturen wie bei Ninestar/Apex/Static Control/ Lexmark herausbilden, dann können auch mal ganze Industriezweige unter die Räder kommen – von den Verbrauchern ganz zu schweigen. Auf Wettbewerbshüter, die das globale Monopoly in Schranken weisen, braucht man gar nicht erst zu hoffen: Die wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Hoffen kann die europäische Reman-Industrie nur darauf, dass der Ruf des Geldes die Swartz-Brüder auch mit ihrem Unternehmen Verisiti bald ereilt. Es gibt nämlich viele Branchen, die ein vitales Interesse an Hochsicherheits Chips haben – auch wesentlich zahlungskräftigere wie z. B. die Smartphone-Industrie. Wenn die nur genug zahlt, dann wird die gerade heranwachsende Bedrohung letztendlich vielleicht doch still und leise an der Hardcopy-Branche vorübergehen… |ho| A N G E M E R K T Die wahren Banditen Es ist unsäglich: Erst verhökern Bill und Michael Swartz, kaum dass ihr Vater Ed verstorben ist, das von ihm aufgebaute Unternehmen ausgerechnet an den Erzfeind persönlich. Erinnern wir uns noch an die Paperworld 2015, wenige Monate vor dem Verkauf von Static Control an Ninestar…? Da lief auf dem SC-Messestand in Frankfurt auf mehreren großen Displays eine Endlos-Schleife mit allen relevanten IP-Klagen der letzten Jahre. Gefühlt jede zweite Klage hatte mit Ninestar zu tun. Der chinesische Konzern war über Jahrzehnte der Inbegriff all dessen, wogegen das USUnternehmen gekämpft hatte und zu Felde gezogen war. Das alles war über Nacht plötzlich Makulatur. Wenn der Ruf des Geldes ertönt, dann haben Prinzipien und Werte mitunter ganz schnell ausgedient… Als ob diese 180 Grad-Wende noch nicht genug wäre, gehen die Swartz-Brüder jetzt noch einen Schritt weiter: Sie nutzen ihr über Jahrzehnte aufgebautes Know-how im Reverse Engineering von Mikrochips dafür, um der Reman-Branche möglichst ganz den Todesstoß zu verpassen. Dabei war Static Control über Jahrzehnte eine der Säulen und das Rückgrat der Reman-Industrie. Alleine der viele Jahre dauernde Rechtsstreit mit Lexmark, der bis vor den US Supreme Court ausgefochten wurde, war ein Meilenstein für das Selbstverständnis der Branche. Und jetzt wirft man sein ganzes Know-how in die Waagschale, um „Banditen daran zu hindern, Mikrochips zu knacken“. Dieselben ‚Banditen‘, die die US-Amerikaner über Jahrzehnte mit geknackten Chips beliefert hat und damit reich geworden ist. Bevor man an ein Unternehmen verkauft hat, das man seinerzeit zusammen mit den Banditen mit allen Mitteln bekämpft hat. Wer da wohl die eigentlichen Banditen sind…? © Fotolia/ra2-Studio


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