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BIT 02-2017

BIT 2–2017 | 39 CeBIT 2018: Interview mit Karl Heinz Mosbach, ELO Auf dem Irrweg BIT Herr Mosbach, wie bewerten Sie als Geschäftsführer eines führenden deutschen Mittelstandsunternehmens in der ECM-Branche die Neuausrichtung der CeBIT für 2018? Karl Heinz Mosbach Die Neuausrichtung der CeBIT in eine Event- und Festivalveranstaltung markiert einen rabenschwarzen Tag für die gesamte IT-Branche und vor allem für diejenigen, die sich mit der Digitalisierung unserer Arbeitsprozesse beschäf tigen. Dieser Richtungs- und Imagewechsel zerstört die erfolgreichen Bemühungen der letzten Jahre, die CeBIT als namhafte internationale B2B-Messe zu etablieren. Das schmerzt insbesondere, da wir gerade in diesem Jahr ein er - hebliches Wachstum auf der CeBIT verzeichnen konnten BIT Aber musste die Deutsche Messe nicht reagieren und Dinge verändern? Mosbach Dass es für IT-Messen schwierig ist, sich im Zeitalter von Internet und steigendem Kostendruck zu behaupten, weiß jeder. Dennoch hatte die Messe mit vielen, gerade auch mittelständischen Ausstellern eine treue Basis, die der CeBIT teils schon 30 Jahre die Stange hielten und die Messe über die letzten Jahre mit zuletzt über 200000 Besuchern zur größten IT-Fachmesse der Welt gemacht haben. Man darf nicht vergessen, dass es vor allem die Kunden und Interessenten der Aussteller sind, die diesen Erfolg ermöglicht haben. Gerade diese treuen Aussteller tritt die Messe nun mit Füßen, indem sie eine Event- und Festival-Veranstaltung im Sommer 2018 vor allem für die jugendliche Zielgruppe ausruft BIT Was ist denn Ihrer Meinung nach schlecht an dem neuen Konzept? Mosbach Vielen, die jetzt bei Party und Festival „Hurra“ schreien, ist nicht bewusst, dass die CeBIT zu Jahresbeginn immer der Vermarktungsauftakt für die Branche war. Eine CeBIT vor der Sommerpause verschenkt nicht nur ein halbes Jahr Vermarktungs - chance. Schlimmer ist, dass es durch den späten Zeitpunkt für viele Budgetund Investitionsentscheidungen, die oft bereits im September und früher getroffen werden, zu spät ist. Hinzu kommt die Verkürzung der CeBIT von fünf auf drei Tage, was äußerst ungünstig für die internationalen Partner ist, da sich der Aufwand durch den engen Zeitrahmen kaum noch rechtfertigt. Der Umstand, dass man sich womöglich bei 30 Grad Außentemperatur in stickiger, schlecht klimatisierter Hallenluft die Füße in den Bauch steht – während sich die Besucher bevorzugt draußen an der frischen Luft im Pavillon-Bereich aufhalten – ist da noch das kleinste Übel. BIT Was würden Sie denn für den richtigen Weg für die CeBIT halten? Mosbach In Deutschland neigt man allzu oft dazu, Dinge schlecht zu reden, auch wenn man auf dem rich - tigen Weg ist und sich erste Erfolge bereits abzeichnen. Die Entscheidung, die CeBIT als international führende IT- und B2B-Fachmesse zu etablieren, war seinerzeit goldrichtig. Zu glauben, mit dem Wandel zu einer Event- und Festival-Veranstaltung wieder an die alten Zeiten der CeBIT mit weit über 500000 Besuchern anknüpfen zu können, ist weltfremd. Dafür haben sich die Dinge zu sehr verändert. Nicht nur durch das Internet, sondern auch durch die Zunahme vieler spezialisierter Messen. Welchen Stellenwert die CeBIT bei dieser Vielzahl an neuen Messen aber immer noch hat, sieht man beispielsweise am recht populären Mobile World Congress in Barcelona, der mit starkem Publikumseffekt und rund 100000 Besuchern gerade mal auf die Hälfte der Besucherzahl einer CeBIT kommt. BIT Was macht Sie so sicher, dass die CeBIT diesen Stellenwert auch im bisherigen Format beibehalten könnte? Mosbach Der digitale Wandel unserer Arbeitswelt hat gerade erst begonnen. Die Unternehmen und Verwaltungen aller Branchen stehen hier vor enormen Herausforderungen, diesen Wandel zu gestalten. Dieser Effekt wird nicht etwa weniger, sondern sogar mehr Besucher auf der Suche nach Lösungen auf die CeBIT führen. Das wir hierfür unsere Themen interessant und zukunftsweisend darstellen müssen, versteht sich von selbst. Hierzu bedarf es aber keiner Eventund Festival-Veranstaltung, sondern einer IT-Fachmesse CeBIT, die sich klar auf dieses Thema fokussiert. Es muss sich auf einer sachlichen Plattform abspielen, welche die verantwortlichen Entscheider dazu bewegt, nach Hannover zu kommen. Dies wird sicher kein CeBIT-Party-Event leisten können, denn dazu haben diese viel - beschäftigten Leute Besseres zu tun. BIT Wie sieht Ihr Fazit aus? Mosbach Der Wandel ist ein fester Bestandteil unserer Branche, keine Frage. Wenn ich dabei aber meine Kunden und das Ziel, erfolgreich Business zu machen, aus den Augen verliere, ist dies ein Irrweg. Im schlimmsten Fall wird dies im Desaster nicht nur für die CeBIT, sondern die gesamte IT-Branche im Land enden. Mit der Neuausrichtung setzt man ein Juwel, das derzeit kein anderes Land besitzt, leichtfertig aufs Spiel. (www.elo.com) „Mit der Neuausrichtung setzt man ein Juwel, das derzeit kein anderes Land besitzt, leichtfertig aufs Spiel.“ Karl Heinz Mosbach, Geschäftsführer ELO Digital Office GmbH: „Im schlimmsten Fall wird dies im Desaster nicht nur für die CeBIT, sondern die gesamte IT-Branche im Land enden.“ „Zu glauben, mit dem Wandel zu einer Event- und Festival-Veranstaltung wieder an die alten Zeiten der CeBIT mit weit über 500000 Besuchern anknüpfen zu können, ist weltfremd.“


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