Page 40

BIT 01-2017

40 Geschäftsprozesse Arbeitswelt im Wandel | BIT 1–2017 Martin Böker, Samsung Neue, agilere Art zu arbeiten Zukunftsorientierte Arbeitsplatzkonzepte: Das Zeitalter der Digitalisierung bringt gerade für die Arbeitswelt große und gute Veränderungen mit sich. Mobilität, Flexibilität und Kollaboration werden immer wichtiger, während starre Strukturen und Abläufe verstärkt hinterfragt und teils aufgelöst werden. Um Arbeitsumgebungen zu schaffen, die den veränderten Bedürfnissen von Unternehmen und Mitarbeitern Rechnung tragen, bedarf es ganzheitlicher Ansätze. Der Smart Workspace, wie ihn Samsung versteht, steht für eine neue, agilere Art zu arbeiten. Ermöglicht wird das durch leistungsfähige, intelligente und anwenderfreundliche Technologien, die Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag begleiten. Vorteile: Die Vorteile von Smart Workplaces sind in der Tat vielfältig. Sie können nicht nur zu einer gesteigerten Produktivität führen, sondern erhöhen auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Und genau in dieser Kombination liegt auch der wesentliche Vorteil aus Unternehmenssicht. Unternehmen erkennen mittlerweile, dass auch mobile Technologien ein Erfolgsfaktor sind, wenn es darum geht, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positio- wegen den (auch zukünftig wichtigen) Themen Archivierung und Dokumenten Management, sondern weil die Notwendigkeit besteht, alte Prozesse grundsätzlich in Frage zu stellen. Komplette Branchen stehen in ihren jahrzehntealten Prozessmustern für Marktansprache und Abwicklung zur Disposition. Aber mit den neuen Technologien kommen natürlich auch Diskussionen: Datenschutz und Sicherheit bremsen allzu häufig: wo soll man die Grenze ziehen? Manche Mitar - beiter mit geringer IT-Affinität sind heute schon manchmal überfordert, wie kommen die mit den neuen Werkzeugen klar? Digitalisierung ist daher nicht nur eine Aufgabe zu Auswahl und Beschaffung geeigneter Techno - logien, sondern muss durch Qualifizierungsmaßnahmen begleitet werden. Vorteile: Betriebswirtschaftliche Nutzenkriterien sind nach unserer Wahrnehmung fast immer nur ein Teilaspekt. Daneben ist eine häufige Trieb - feder, dass sich manche Unternehmen schon lange nicht mehr auf „digitaler Augenhöhe“ mit ihren Kunden befinden und befürchten, dass ihnen Neueinsteiger die IT-affinen Kunden abspenstig machen. Paradebeispiele sind die Fintechs die den alteigesessenen Banken das Leben schwer machen oder Online-Druckereien wie Flyeralarm oder Vistaprint, die den Markt der Offsetdruckereien in wenigen Jahren komplett auf den Kopf gestellt haben. Die junge Generation, die das normale Fernsehen „wie kaputtes Youtube“ empfindet hat kaum eine Bindung zu alteingesessenen Anbietern mit Uralt-Systemen: sie werden dahin gehen, wo ihre Bedürfnisse mit zeitgemäßen Werkzeugen und akzeptablen Konditionen befriedigt werden. Flexibilität: Das ist ja eher ein schleichender Trend, den man schon seit Jahren beobachten kann, aber komplett überflüssig? Das glaube ich nicht. Wo es die Arbeitsinhalte und die Infrastruktur Rahmenbedingungen (Leitungen) erlauben wird sicherlich zunehmend die Handlungsoption geschaffen, Standort-unabhängig zu arbeiten. Das kann zuhause, direkt beim Kunden bzw. Partner oder an anderen Standorten des Unternehmens sein. Man sollte aber nicht vergessen, dass das Büro auch ein Ort der spontanen und situativen Kommunikation mit Kollegen ist und Know-How transferiert dann manchmal einfacher und spontaner als in geplanten Telkos oder Video- Sessions. Ich denke, wir werden sehen, dass neuen Formen der Büro - arbeit eine unverzichtbare Ergänzung werden, deren Arbeitszeitanteil je nach Arbeitsinhalt unterschiedlich groß sein wird. Revolution und Work-Life-Balance: Kommt auf die Perspektive der Betroffenen an. Für manche ist der Verzicht auf handschriftliche Paraphierungen auf Papier ein Kulturschock. Für jüngere Mitarbeiter ist es dagegen unverständlich, wieso man E-Mail ausdrucken und zu den Akten ablegen soll. Wer mit WhatsApp und Dropbox in der Schule oder Studium Arbeits - gruppen organisiert und Klausuren im Team vorbereitet hat, wird einen Kulturschock erleben, wenn er in der Büro-Arbeitswelt ankommt und sieht, was ihm an Werkzeugen zugemutet wird. Es gibt auch hier keine Lösung ohne Kompromisse: wir müssen die - jenigen mitnehmen, die aus falschen Gründen Angst vor neuen Technologien haben, sollten aber auch alte Zöpfe abschneiden, wenn sie für das Unternehmen schädlich sind. Gleichzeitig hat man das Problem, dass die neuen Arbeitsformen wie beispielsweise Home-Office-Konzepte den Mitarbeitern ein höheres Maß an Selbstdisziplinierung erfordern: die Schere reicht von der vermeintlichen Verpflichtung immer online sein zu müssen und andererseits der Verlockung, jetzt doch mal auf die Kinder aufzu - passen oder den Rasen zu mähen. Nicht alle Tätigkeiten lassen sich in ihrer Produktivität messen (wie „Umsatz“ im Vertrieb, „Anzahl“ vergleichbarer bearbeiteter Vorgänge bei Finanzdienstleistern, usw.) sodass eine Mitarbeiterbeurteilung bei den weniger quantifizierbaren Tätigkeitsbeiträgen deutlich schwieriger ist, weil man den Mitarbeiter auch nicht mehr täglich agieren sieht. (www.zoeller.de)


BIT 01-2017
To see the actual publication please follow the link above