Page 33

BIT 01-2017

Maximilian Gantner, Pentadoc Radar Kopernikanische Wende Zukunftsorientierte Arbeitsplatzkonzepte: Es ist gar nicht so einfach, über den Arbeitsplatz der Zukunft nachzudenken. Jeder hat ad hoc ein paar allgemeine Ideen, aber irgendwie dreht man sich schnell im Kreis und vieles bleibt wenig greifbar. Ein wesentliches Charakteristikum eines modernen Arbeitsplatzes ist die räumliche und die zeitliche Flexibilisierung des eigenen Arbeitsraumes. Selbstverständlich drückt sich das zunächst im Digitalisieren von Arbeitsabläufen und den erforderlichen Informationen aus. Die heute zur Verfügung stehenden Technologien bieten eine Vielzahl an innovativen Möglichkeiten, Arbeitsplätze entsprechend auszustatten und Mitarbeiter effizient in Geschäftsprozesse einzubinden – unabhängig vom Ort des Arbeitsplatzes. Doch die Technik alleine wird es nicht richten. Meistens sind die Organisationen selbst und auch deren betriebliche Prozesse der limitierende Faktor. Flexible Arbeitsplatzkonzepte brauchen neben einer dafür etablierten Unternehmenskultur auch digitale Prozesse, um Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben auf alle relevanten Informationen zuzugreifen und effizient mit Kollegen und Geschäftspartner kommunizieren zu können. Vorteile: In erster Linie geht es immer um die klassischen Leitgedanken. Bessere Qualität, höherer Output in kürzerer Zeit, geringere Kosten, wettbewerbsfähig sein. Ein anderer Fokus wäre ebenso bemerkenswert wie merkwürdig. Interessanter ist, welche neuen Perspektiven eröffnet werden. Wenn sich ein Arbeitnehmer mit seiner Arbeit, den Ergebnissen und dem Unternehmen identifiziert, läuft es optimal. Wer aber die Bedingungen der Arbeit als Einschränkung empfindet, tut sich damit sehr schwer. Die Möglichkeit, Abläufe sowie Ort und Zeit der Arbeit mitzubestimmen ist ein klares Zeichen von Freiheit, Anerkennung und Vertrauen. Ein moderner Arbeitsplatz bringt die Notwendigkeiten der Arbeit und individuelle Bedürfnisse zusammen und dient damit gleichermaßen Unternehmen wie Arbeitnehmern. Flexibilität: Kurz: Ja! Die westlichen Industrienationen stehen diesbezüglich vor einer kopernikanischen Wende. Aufgrund der zunehmenden Flexibi - lität moderner Lösungen für Informa - tionsmanagement erwarten die Büroangestellten ein ebenso anpassbares Arbeitsumfeld. Wo sämtliche Unterlagen mobil zugänglich sind, wird der stationäre Arbeitsplatz zunehmend unattraktiv. Die Herausforderung liegt an dieser Stelle nicht mehr in der Machbarkeit, sondern der Bereitschaft, die Alterna - tiven zu nutzen. Theoretisch sind 40 Prozent aller Stellen ganz oder teilweise geeignet, um ad-hoc Teams zu bilden und nur nach Bedarf zusammen zu kommen. Aber die Arbeitnehmer müssen sich diese Freiheit auch nehmen, ohne sofort ein schlechtes Ge wissen zu haben. Und seitens der Führungskräfte gilt es Vertrauen und Willen zur Veränderung zu beweisen. Revolution und Work-Life-Balance: Mit dem Begriff ‚Revolution‘ sollte man bei aller Begeisterung lieber vorsichtig sein. Gerade der technikaffine Zeitgenosse übersieht gerne, dass viele Mitmenschen deutlich weniger veränderungsbereit sind. Neue Technologien und Abläufe müssen sich nicht nur allgemein verbreiten, sondern stehen auch unter Beweislast. Erst in der Praxis werden Arbeitsplätze „on demand“ oder die totale Flexibilisierung von Arbeitszeiten ihre Anwendbarkeit offenbaren. Besonders für letzteres ist „Revolution“ im Sinne eines plötzlichen, gewaltsamen Umsturzes bestehender Verhältnisse nicht geeignet. Zwischen „Work“ und „Life“ gibt es ja eine komplexe Wechselwirkung. Achtet man auf eine schockfreie Umgewöhnung und gibt ausreichend Gelegenheit, positive Erfahrungen zu sammeln, wird die Mehrheit der Nutzer die Effekte der Digitalisierung als handfesten Zugewinn erleben. Es gibt eine Vielzahl von Arbeitsformen, die zwar von der technischen Seite der Digitalisierung profitieren, aber keine grundsätzlichen Verhaltensänderungen benötigen oder erlauben. Der Clou am „Arbeitsplatz der Zukunft” ist aber, dass alle Arbeitsabläufe in irgendeiner Form von neuer Technik und Software profitieren. Denn neben den offensichtlichen Vorteilen wird zusätzlicher Nutzen generiert, der sich aus der veränderten Arbeitsweise ergibt. (www.pentadoc-radar.com) Maximilian Gantner, Senior Analyst und Leiter Pentadoc Radar: „Ein moderner Arbeitsplatz bringt die Notwendigkeiten der Arbeit und individuelle Bedürfnisse zusammen und dient damit gleichermaßen Unternehmen wie Arbeitnehmern.“ BIT 1–2017 | 33 BIT fragt: • Zukunftsorientierte Arbeitsplatzkonzepte: Der moderne Arbeitsplatz bringt Herausforderungen und Umwälzungen mit sich. Wie sehen Sie diese Entwicklung, vor allem im Hinblick auf neue Technologien? • Vorteile: Welche Vorteile versprechen sich Unternehmen in erster Linie von einer Workplace-Modernisierung? • Flexibilität: Denken Sie, dass im Zuge der Digitalisierung das orts - gebundene Büro künftig überflüssig werden wird? • Revolution und Work-Life-Balance: Kann man bei den zukunfts - weisenden Workplace-Strategien von einer „Revolution der Arbeitswelt“ sprechen? Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Work-Life-Balance?


BIT 01-2017
To see the actual publication please follow the link above